Schwesig warnt Frauen vor der AfD: Warum Sicherheit, Migration und Frauenrechte den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern bestimmen
Wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 wird der politische Ton deutlich schärfer. Im Mittelpunkt steht Ministerpräsidentin Manuela Schwesig von der SPD, die ihren Wahlkampf stark auf die Auseinandersetzung mit der AfD ausrichtet. Die Kampagne wird in der Berichterstattung teilweise mit dem Motto „Die Frau gegen Blau“ beschrieben. Gleichzeitig gehören Migration, Kriminalität und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu den Themen, bei denen SPD und AfD besonders deutlich gegensätzliche Positionen vertreten.
Für zusätzliche Diskussionen sorgt ein Wahlkampfvideo Schwesigs, das sich ausdrücklich an Frauen richtet. Darin bezeichnet sie die AfD als aus ihrer Sicht bedrohlich und sexistisch und verbindet ihre Warnung mit dem Schutz von Frauenrechten und der Sicherheit von Mädchen.
Kritiker der Ministerpräsidentin stellen dagegen eine andere Frage: Wird im Wahlkampf ausreichend darüber gesprochen, welchen Schutz Frauen vor Gewalt und Sexualdelikten im Alltag benötigen und welche Rolle Migration, Abschiebungen und die innere Sicherheit dabei spielen?
Damit treffen zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von „Sicherheit für Frauen“ unmittelbar aufeinander.

Schwesig stellt Frauenrechte in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs
Schwesigs Botschaft richtet sich gezielt an weibliche Wählerinnen. Sie argumentiert, dass Frauen über Jahrzehnte politische und gesellschaftliche Rechte erkämpft hätten und diese nicht wieder eingeschränkt werden dürften.
Ihre Auseinandersetzung mit der AfD ist dabei kein isolierter Teil der Kampagne. Schwesig hat den Wahlkampf insgesamt stark auf den politischen Gegensatz zur AfD zugeschnitten.
Auch beim Fernsehduell mit dem AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm am 16. September wurde diese Strategie deutlich. Schwesig warf der AfD unter anderem vor, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden. Holm wiederum beschuldigte die SPD, mit Angst vor der AfD Wahlkampf zu betreiben.
Beim Thema Migration zeigte sich ebenfalls ein fundamentaler Unterschied. Holm forderte eine deutlich restriktivere Politik gegenüber Menschen ohne Aufenthaltsrecht. Schwesig erklärte dagegen, sie stehe für eine Migration, die „ordnet“ und „steuert“. Gleichzeitig sagte sie, Menschen ohne Bleiberecht und insbesondere Straftäter müssten Deutschland verlassen.
Fall in Friedland bringt Sicherheitsdebatte zusätzlich in Bewegung
Parallel zum Wahlkampf beschäftigt Mecklenburg-Vorpommern ein schwerer Kriminalfall aus Friedland bei Neubrandenburg.
Nach Angaben des NDR soll dort am 9. August eine 27-jährige Frau in ein Gebüsch gezogen und vergewaltigt worden sein. Ein 24-jähriger Tatverdächtiger wurde bereits am folgenden Tag festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Der Mann ist nach Angaben der Behörden Staatsbürger von Benin. Sein Asylantrag in Deutschland war abgelehnt worden.
Der Fall löste in Friedland auch öffentliche Proteste aus. Rund 200 Menschen kamen Anfang September auf dem Marktplatz zusammen. Auf Plakaten wurde unter anderem mehr Sicherheit für Frauen und Kinder gefordert.
Der Fall wird von Kritikern der gegenwärtigen Migrationspolitik als Beispiel dafür angeführt, dass neben politischen Debatten über Frauenrechte auch konkrete Fragen der öffentlichen Sicherheit, des Aufenthaltsrechts und der Abschiebung stärker berücksichtigt werden müssten.
Aus einem einzelnen Fall lässt sich allerdings keine allgemeine Aussage darüber ableiten, wie häufig Migranten Straftaten begehen. Für eine solche Bewertung müssen umfassendere Kriminalitätsdaten betrachtet werden.
Was sagt die Kriminalstatistik für Mecklenburg-Vorpommern?
Eine wichtige Grundlage der Debatte ist die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025.
Insgesamt registrierte die Polizei Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr 103.901 Straftaten. Das waren 4.643 Fälle weniger als 2024. Die Kriminalitätsbelastung gemessen an der Häufigkeitszahl sank um vier Prozent. Gleichzeitig erreichte die Aufklärungsquote 63,3 Prozent.
Bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung verlief die Entwicklung jedoch in die andere Richtung.
2025 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 2.573 entsprechende Straftaten erfasst. Im Jahr zuvor waren es 2.007 gewesen. Das entspricht einem Anstieg von 28,2 Prozent. Die Aufklärungsquote lag bei 90,2 Prozent.
Diese Zahl benötigt allerdings eine wichtige Einordnung.
Ein erheblicher Teil des Anstiegs hängt mit Straftaten im Zusammenhang mit kinderpornografischen Inhalten zusammen. Erwerb, Besitz, Herstellung und Verbreitung solcher Inhalte stiegen nach Angaben des Innenministeriums auf 966 Fälle. Als einen Grund nannten die Behörden unter anderem mehr Hinweise über internationale Meldesysteme sowie die zunehmende Verbreitung entsprechender Inhalte über Smartphones.
Die engere statistische Gruppe aus Vergewaltigung, sexuellen Übergriffen, sexueller Nötigung und sexueller Belästigung lag 2025 bei 748 erfassten Fällen. 2024 waren es 697.
Damit ist es nicht sachgerecht, den gesamten Anstieg der 2.573 Sexualstraftaten automatisch mit Übergriffen im öffentlichen Raum oder mit Migration gleichzusetzen.
Offene Haftbefehle sorgen ebenfalls für Diskussionen
Ein weiterer Punkt, der in der aktuellen Auseinandersetzung häufig genannt wird, sind offene Haftbefehle.
Eine Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage im Landtag Mecklenburg-Vorpommern vom April 2026 nennt insgesamt 1.497 Personen mit nicht vollstrecktem Haftbefehl. Davon hatten 1.134 keine deutsche Staatsangehörigkeit.
Bei der Kategorie „Gewaltdelikte“ waren 84 Haftbefehle gegen insgesamt 83 Personen offen. Von diesen 83 Personen waren 74 Nichtdeutsche. Das entspricht knapp 89 Prozent.
Diese Zahlen sind politisch brisant, müssen aber ebenfalls sorgfältig interpretiert werden.
„Nichtdeutsch“ ist zunächst eine statistische Kategorie zur Staatsangehörigkeit. Sie sagt nicht automatisch aus, ob eine Person Asylbewerber, Flüchtling, dauerhaft in Deutschland lebender EU-Bürger oder Angehöriger einer anderen Aufenthaltsgruppe ist. Auch ein offener Haftbefehl ist nicht mit einer rechtskräftigen Verurteilung für eine neue Straftat gleichzusetzen.
Gerade bei kontroversen politischen Themen ist diese Unterscheidung entscheidend.
SPD und AfD setzen unterschiedliche Schwerpunkte beim Thema Migration
Der Konflikt zwischen Schwesig und Holm zeigt, warum Migration im Wahlkampf so stark polarisiert.
Holm argumentiert, Deutschland müsse Menschen ohne Aufenthaltsrecht konsequenter zurückführen. Schwesig betont gleichzeitig, dass Menschen mit Migrationshintergrund nicht pauschal für Probleme verantwortlich gemacht werden dürften und dass Deutschland weiterhin Fachkräftezuwanderung benötige.
Im TV-Duell sagte Schwesig zugleich ausdrücklich, Menschen ohne Bleiberecht müssten das Land verlassen und dies gelte insbesondere für Straftäter. Holm wiederum erklärte ebenfalls, dass er Fachkräftezuwanderung unterstütze, aber illegale Migration stärker begrenzen wolle.
Die politische Trennlinie verläuft deshalb nicht ausschließlich zwischen „Migration zulassen“ und „Migration verhindern“. Umstritten sind insbesondere Umfang, Kontrolle, Abschiebungen, Integration und die politische Kommunikation über Kriminalität.
Was bedeutet Sicherheit für Frauen?
Der aktuelle Streit macht deutlich, dass der Begriff „Sicherheit“ politisch unterschiedlich verwendet wird.
Schwesig spricht vor allem über politische und gesellschaftliche Rechte von Frauen. Ihre Kritik richtet sich gegen Positionen und Vertreter der AfD, die sie als Gefahr für bereits erreichte Fortschritte bei Gleichstellung und Frauenrechten betrachtet.
Ihre Kritiker setzen dagegen einen anderen Schwerpunkt: körperliche Sicherheit im öffentlichen Raum, Sexualstraftaten, häusliche Gewalt sowie den Umgang mit ausreisepflichtigen oder straffälligen Migranten.
Diese Themen schließen sich jedoch nicht gegenseitig aus.
Frauenrechte können sowohl politische Gleichberechtigung und gesellschaftliche Freiheit als auch Schutz vor Gewalt und sexuellen Übergriffen umfassen. Eine umfassende Sicherheitsdebatte muss deshalb unterschiedliche Formen von Gefährdung betrachten, ohne einzelne Tätergruppen pauschal auf ganze Bevölkerungsgruppen zu übertragen.

Wahlkampf kurz vor dem 20. September
Der Streit findet in einer politisch besonders sensiblen Phase statt. Am 20. September 2026 wählen die Bürgerinnen und Bürger Mecklenburg-Vorpommerns einen neuen Landtag.
Die jüngsten Daten der Forschungsgruppe Wahlen vom 17. September zeigen, wie eng die Situation ist: In dieser einzelnen Erhebung erreichte die SPD 37 Prozent und die AfD 36 Prozent. Befragt wurden 1.395 Wahlberechtigte zwischen dem 14. und 17. September. Wie bei allen Umfragen handelt es sich dabei um eine Momentaufnahme und nicht um eine Prognose des Wahlergebnisses.
Bei der Frage nach der gewünschten Ministerpräsidentin beziehungsweise dem gewünschten Ministerpräsidenten lag Schwesig im jüngsten ZDF-Politbarometer deutlich vor Holm: 61 Prozent nannten Schwesig, 30 Prozent Holm. Auch diese Werte beschreiben lediglich die Antworten der Befragten zum Erhebungszeitpunkt.
Fazit: Frauenrechte, Migration und Sicherheit werden zum politischen Konfliktfeld
Die Kontroverse um Manuela Schwesigs Wahlkampfvideo zeigt, wie stark sich die Diskussion über Frauenrechte inzwischen mit Fragen von Migration und innerer Sicherheit überschneidet.
Schwesig warnt vor politischen Entwicklungen, die ihrer Auffassung nach Frauenrechte gefährden könnten. Kritiker halten dagegen, dass körperliche Sicherheit, Sexualkriminalität und der Umgang mit ausreisepflichtigen Straftätern stärker thematisiert werden müssten.
Die offiziellen Zahlen liefern Argumente für mehrere Teile dieser Debatte: Insgesamt ging die registrierte Kriminalität in Mecklenburg-Vorpommern 2025 zurück, während bestimmte Sexualdelikte zunahmen. Gleichzeitig zeigen die Statistiken einen hohen Anteil Nichtdeutscher unter Personen mit offenen Haftbefehlen für Gewaltdelikte. Diese unterschiedlichen Befunde lassen sich nicht auf eine einzige politische Aussage reduzieren.
Damit dürfte die Frage nach Frauen, Sicherheit, Migration und gesellschaftlichen Rechten bis zum Wahltag eines der Themen bleiben, an denen sich der politische Gegensatz zwischen SPD und AfD besonders deutlich zeigt.