Deutschland und Ungarn rücken wieder näher zusammen: Pistorius will Verteidigungskooperation stärken
Deutschland und Ungarn wollen ihre militärische Zusammenarbeit deutlich ausbauen. Bei seinem Besuch in Budapest sprach Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius von einem „Neustart“ der Beziehungen zwischen beiden Ländern. Im Mittelpunkt stehen unter anderem militärische Logistik, Ausbildung, gemeinsame Übungen und die Zusammenarbeit der Rüstungsindustrie.

Pistorius besucht Ungarn: Zeichen für einen politischen Neustart
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn sollen wieder enger werden. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius reiste am 25. September 2026 nach Budapest und traf dort seinen ungarischen Amtskollegen Romulusz Ruszin-Szendi.
Nach den Gesprächen erklärte Pistorius, Berlin und Budapest würden politisch wieder enger zusammenwachsen. Der deutsche Verteidigungsminister sprach von einem Neustart der bilateralen Beziehungen und betonte zugleich die Bedeutung dieser Entwicklung für die NATO und die Europäische Union. Deutschlandfunk
Damit erhält die deutsch-ungarische Zusammenarbeit nach einer längeren Phase politischer Distanz neue Dynamik.
Deutschland und Ungarn wollen militärisch enger kooperieren
Ein zentraler Schwerpunkt des Treffens war die Verteidigungspolitik.
Deutschland und Ungarn haben mehrere Bereiche identifiziert, in denen die Zusammenarbeit künftig intensiviert werden soll. Dazu gehören insbesondere die militärische Logistik, die Ausbildung von Soldaten, gemeinsame Übungen sowie Kooperationen zwischen den Verteidigungsindustrien beider Länder. Deutschlandfunk
Für Berlin geht es dabei nicht nur um die bilateralen Beziehungen. Eine engere Zusammenarbeit innerhalb Europas soll zugleich die militärischen Fähigkeiten der NATO stärken.
Auch Fragen der militärischen Mobilität und strategische Themen zur Zukunft von NATO und EU waren nach Angaben des ungarischen Verteidigungsministeriums Bestandteil der Gespräche. Honvédelem
Deutsche Waffensysteme spielen wichtige Rolle
Die militärischen Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn bestehen bereits seit Jahren.
Ungarn nutzt verschiedene Waffensysteme aus deutscher Produktion. Dazu gehören unter anderem Fahrzeuge und Artilleriesysteme der Leopard-Familie sowie die Panzerhaubitze 2000.
Pistorius stellte in Budapest in Aussicht, dass Deutschland bei solchen Systemen stärker Wissen und Erfahrungen mit Ungarn teilen könne. Dadurch sollen Betrieb, Ausbildung und militärische Fähigkeiten weiter verbessert werden. MTI
Für die deutsche Verteidigungsindustrie könnte eine intensivere Zusammenarbeit ebenfalls zusätzliche Bedeutung gewinnen.
Neue Phase nach Jahren politischer Distanz
Der Besuch ist auch deshalb bemerkenswert, weil Treffen auf Ebene der Verteidigungsminister in den vergangenen Jahren selten waren.
Nach Angaben ungarischer Quellen hatte zuletzt im Jahr 2020 ein deutscher Verteidigungsminister Ungarn besucht. MTI
Die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Budapest waren unter der früheren ungarischen Regierung in verschiedenen europäischen Fragen angespannt.
Mit der neuen Regierung in Budapest sieht die deutsche Seite nun offenbar bessere Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit.
Pistorius bezeichnete die Entwicklung ausdrücklich als einen Neustart der Beziehungen.
Bedeutung für NATO und Europäische Union
Die Gespräche zwischen Deutschland und Ungarn finden in einer Phase statt, in der Sicherheits- und Verteidigungsfragen innerhalb Europas eine immer größere Rolle spielen.
Viele NATO-Staaten erhöhen ihre Verteidigungsausgaben und versuchen gleichzeitig, ihre militärische Zusammenarbeit zu verbessern.
Deutschland hat in den vergangenen Monaten auch mit anderen Partnerstaaten neue Vereinbarungen zur Verteidigungs- und Rüstungskooperation geschlossen. Im September unterzeichneten Deutschland und die USA beispielsweise eine Absichtserklärung zur engeren Zusammenarbeit ihrer Verteidigungsindustrien. Reuters
Vor diesem Hintergrund passt auch die Annäherung zwischen Berlin und Budapest in Deutschlands Bemühungen, bestehende Partnerschaften innerhalb des Bündnisses auszubauen.
„Wieder Verbündete sein“
Besonders auffällig ist die politische Symbolik des Treffens.
Die ungarische Seite stellte die wieder engere Partnerschaft mit Deutschland in den Mittelpunkt. Beide Länder wollen ihre Zusammenarbeit nicht lediglich auf einzelne militärische Projekte beschränken, sondern auch den politischen Austausch intensivieren.
Pistorius erklärte, eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Ungarn sei nicht nur für beide Staaten, sondern auch für NATO und EU von Bedeutung. MTI
Damit bekommt der Besuch eine Bedeutung, die über konkrete Rüstungsprojekte hinausgeht.

Welche konkreten Projekte sind geplant?
Eine vollständig ausgearbeitete Liste neuer gemeinsamer Großprojekte wurde bei dem Treffen zunächst nicht öffentlich vorgestellt.
Konkret genannt wurden jedoch mehrere Arbeitsfelder:
- militärische Logistik und Mobilität,
- gemeinsame Ausbildung und Übungen,
- Zusammenarbeit der Verteidigungsindustrie,
- Erfahrungsaustausch zu deutschen Waffensystemen,
- Ausbau der militärischen Fähigkeiten beider Länder.
Damit wurde zunächst der politische und militärische Rahmen für eine vertiefte Zusammenarbeit festgelegt. Weitere konkrete Vereinbarungen könnten in zukünftigen Gesprächen folgen. Deutschlandfunk
Fazit: Berlin und Budapest setzen auf neue Zusammenarbeit
Der Besuch von Boris Pistorius in Budapest markiert eine neue Phase in den deutsch-ungarischen Beziehungen.
Nach Jahren politischer Distanz wollen Deutschland und Ungarn wieder enger zusammenarbeiten – insbesondere im Verteidigungsbereich.
Logistik, Ausbildung, gemeinsame Übungen und Rüstungskooperation stehen dabei im Mittelpunkt. Gleichzeitig soll die Annäherung auch die Zusammenarbeit innerhalb von NATO und Europäischer Union stärken.
Ob aus dem angekündigten politischen Neustart langfristig eine umfassende strategische Partnerschaft entsteht, wird davon abhängen, welche konkreten Projekte Berlin und Budapest in den kommenden Monaten tatsächlich umsetzen.